Grillen

Ist doch schön, wenn's in so 'ner Siedlung noch 'n Gemeinschaftsgefühl gibt. So 'n Zusammenhalt zwischen den Nachbarn. Sind ja auch alles nette Leute...
Da trifft man sich doch gern mal so auf 'n Grillabend im Garten.
Macht ja 'ne Menge Arbeit, aber man will sich ja nich lumpen lassen, nich. Un is ja nich wie bei arme Leute, wie meine Mutter immer gesagt hat. Ich mein, man muss ja auch nich übertreiben. So wie die Neue von gegenüber. Hat die ein Theater gemacht, wegen ihrer Hose... Nur wegen ein so 'n kleinen Fleck. „Designer-Hose... teures Stück... blablabla...“ Wenn man's sich nich leisten kann, soll man's sich halt nich kaufen. Wer zieht überhaupt so was Helles zu 'ner Grillparty an? Ist doch pure Angabe... Wahrscheinlich drei Monate drauf gespart. Wenn's denn reicht. Denn is natürlich was los, wenn's 'nen Fleck gibt. Ich sach immer: Sachen sind zum Anziehn da, nich zum Vorzeigen. Wenn ich mich nich ordentlich drin bewegen kann, was soll das denn.
Unser Nachbar zur Linken is da ja ganz anders. Das is ja nu schon bald ein bisschen doll. Kommt so in T-Shirt und Jeans... Seine Frau ja auch. Also ich mein, ein bisschen kann man ja... Ich mein, ist ja auch immerhin was Festliches. Naja, Künstler... Da sieht man das wohl 'n büschen anders.
Also Karl, was mein Mann is, der meint ja, das wären auch teure Klamotten. Sieht man bloß nich gleich. Aber ich sach mal, was soll das denn? Wenn man's nich sieht... Das is doch auch nix.
Ich hab dann ja mal... so ganz aus Versehen... so mit dem Ketchup... „Oh, das tut mir aber leid!!!“, sag ich zu der Künstlergattin. Meint die: „Ach, macht doch nichts. Kann ja passieren...“ „Nu ja“, sag ich, „die teuren Klamotten...“ Zieht die die Augenbrauen hoch... „Klamotten“ war ihr wohl nich fein genug. Und sagt dann: „Ach, man muss schon mit den Dingen, die man sich leistet, auch leben können. Ich mein, so richtig leben...“ Ich guck nur die von gegenüber an, die guckt auch schon ganz komisch. Ich stoß die nur so sachten an und sag leise „Künstler“. Nickt die aber...
Das Schärfste aber kommt noch später am Abend. Die von rechts müssen ja immer ihre Blagen mitbringen. Als ob die sich keinen Babysitter leisten könnten. Und je später der Abend, desto mehr toben die durch den Garten. Und was soll ich Ihnen sagen: Rempeln die doch an den Tisch und die schöne alte Kristallvase kippt runter auf die Steinplatten und in tausend Scherben. Na, auf die bin ich aber los. Wirft sich die Alte dazwischen und faselt was von „ersetzen“ und „nicht so tragisch“. Die glaubt wohl auch, mit Geld kann man alles kaufen. Die Vase war noch von meiner Mutter und die hatte sie von ihrer. Da hängen doch Erinnerungen dran. Die kann man nich einfach ersetzen. Und schließlich hat so was ja auch 'nen Wert. Also, was Sammler dafür so hinlegen, will ich ja gar nicht wissen. Mir geht's ja nur um's Ideelle. Das kann man mit Geld sowieso nich bezahlen. Aber wer versteht so was denn heutzutage noch. Denken doch alle nur: Geld, Geld, Geld...

17.7.07 23:53

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